MORT AUX CONS!

MORT AUX CONS!

Eine Lesung über die menschliche Dummheit
Auf Deutsch, Englisch, Französisch und Luxemburgisch
Reprise

„Ich habe mir oft folgende Frage gestellt: Wie ist es möglich, da doch die Berührung, der Zusammenstoß mit der Dummheit von jeher für viele Menschen zu den qualvollsten Leiden ihres Lebens gehört haben muss, wie ist es möglich, dass dennoch – soviel ich weiß – niemals eine Studie über sie, ein ‚Essay über die Dummheit‘ geschrieben wurde? Denn die Seiten des Erasmus tun dem Gegenstand nicht genug.“ fragt sich der spanische Philosoph José Ortega y Gasset. Und „über die Dummheit“, schreibt wiederum Roland Barthes, „sei mir nur folgende Aussage erlaubt: sie fasziniert mich“, und er fügt hinzu: „Die Dummheit ist ein harter Kern und unteilbar, urtümlich: Man kann sie nicht wissenschaftlich zerlegen.“ Immanuel Kant definierte die Dummheit als „Abwesenheit von Urteilskraft“, aber auch das ist nur eine negative Begriffsbestimmung. Immerhin erkennt man sie zumeist, wenn man sie sieht. Es sei denn, man ist selbst dumm. Noch so ein Problem, bekannt als Meta-Ignoranz oder Dunning-Kruger Effekt. Und überhaupt, gegen die Dummheit „kämpfen Götter selbst vergebens“, wie Schiller den englischen Feldherrn Talbot klagen lässt, der den Kult um die Jungfrau von Orléans unvernünftig fand. So wie die Philosophen der Aufklärung gegen Aberglauben und Fanatismus kämpften. Doch die Dummheit ist nie ganz besiegt. Und wird auch immer wieder gefährlich, besonders die kollektive Dummheit, wie die einer kriegsbegeisterten Nation. Karl Kraus hatte Recht, als er nach dem 1. Weltkrieg meinte, die Menschen würden aus Schaden dumm. Und nach Hannah Arendt ist das Böse nicht nur banal, sondern Eichmann war auch „von empörender Dummheit.“ Dummheit sei „gefährlicher als Bosheit“, schrieb Dietrich Bonhoeffer im NS-Gefängnis unter dem Eindruck der Schikanen seiner Bewacher. Dummheit ist ein Virus, gegen den es leider keinen Impfstoff gibt. Vorwerfbar, also schuldhaft, ist die Dummheit, die sehenden Auges alles ins Verderben reißt, weil sie zu verblendet ist, sich zu korrigieren – denken wir an Finanzkrisen, Faschismus oder den Klimawandel. So meinte Yuval Noah Harari kürzlich: „Als Historiker, der Interesse an der Zukunft hat, habe ich eine Sorge: dass nicht künstliche Intelligenz die größte Gefahr für die Menschheit darstellt, sondern natürliche Dummheit.“ Mit dieser Lesung wollen wir ihr augenzwinkernd zu Leibe rücken!

» Le temps ne fait rien à l’affaire (...) Quand on est con, on est con. Georges Brassens

Mit literarischen und
philosophischen Texten von Erasmus von Rotterdam, Immanuel Kant, Jean Paul, Robert Musil, Gustave Flaubert, Léon Bloy, Kurt Tucholsky, Bertrand Russell, Ringelnatz, Dietrich Bonhoeffer, Bert Brecht, Georges Brassens, Roland Barthes, Jacques Brel, Doris Lessing, Umberto Eco, John Cleese u. v.a.

Textauswahl Marc Limpach
Gelesen von Eugénie Anselin, Véronique Fauconnet, Claude Frisoni, Marc Limpach, Jules Werner
Koproduktion Kasemattentheater, TOL, Théâtre du Centaure

 

Samedi 12 SEPTEMBRE 2020 à 20h00 (tickets)

DURÉE environ 1h15 (pas d'entracte)

À partir de 15 ans

Adultes 20 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Théâtre des Capucins / Partage de plateau avec le Kasemattentheater