#56 DIE HAMLETMASCHINE
GRAND THÉÂTRE | ARRIÈRE-SCÈNE

#56 DIE HAMLETMASCHINE

HEINER MÜLLER

[DE] Heiner Müllers 1977 entstandener Text Die Hamletmaschine basiert auf seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Shakespeare. Parallel zu seiner Übersetzung von Hamlet für eine Inszenierung von Benno Besson am Deutschen Theater schrieb er diesen fremdartigen und rätselhaften Text. Er nimmt Figuren und Schlüsselszenen aus Shakespeares Stück auf, verzichtet aber beinahe ganz auf Handlung und Dialog. In einem alptraumartigen Szenarium in fünf auch formal unterschiedlichen Textfragmenten erscheinen u. a. Hamlet bzw. ein Schauspieler, der Hamlet spielt, und Ophelia als gespenstische Widergänger realer historischer Personen. Unterschiedliche und gegensätzliche kollektive Erfahrungen prallen aufeinander, viele Bezüge zu historischen Ereignissen der europäischen Geschichte und der Geschichte des Kommunismus nach dem 2. Weltkrieg stellen sich her. An der Figur des Hamlet interessierte Müller "das Versagen von Intellektuellen in bestimmten historischen Phasen, das vielleicht notwendige Versagen von Intellektuellen, ein stellvertretendes Versagen".

Die innere Zerrissenheit des Hamletdarstellers, der sich bei dem Aufstand in Budapest 1956 "auf beiden Seiten der Fronten, zwischen den Fronten, darüber" sieht, mündet im Scheitern des Autors beim Schreiben eines Shakespeareschen Dramas und in dem Versuch der Revolte von Ophelia. Die Frontlinie verläuft nicht mehr zwischen Ost und West, sondern zwischen "den Metropolen der Welt" und den kolonialisierten Ländern.

Dimiter Gotscheff hat sich in der Spielzeit 2008/09 nach Germania, Stücke und Müllers Übersetzung von Die Perser zum dritten Mal am Deutschen Theater einen Text von Heiner Müller vorgenommen und ist auch selbst auf der Bühne zu sehen.

» Dimiter Gotscheffs große, feine Kunst bringt es fertig, diesen überwachsenen Nibelungenschatz zu heben. [...] Gotscheff spielt einen Regisseur, der seinen Schauspielern vorspielt. Und der sich selbst in einem Theater orientiert, das gestern war. Zum Beginn der Saison eine sanfte Erinnerung: Sein oder nicht sein, das bleibt die Frage.
Rüdiger Schaper, Der Tagesspiegel

» Unterstützt wird Gotscheffs Müller-Beschwörung und Müller-Teufelsaustreibung von zwei glänzenden jungen Schauspielern. Valery Tscheplanowa zersingt die Ophelia-Texte, unsentimental und mit enormer Kraft. Alexander Khuon erledigt eine zivilisationsmüde Hass- und Selbsthass-Passage als schmierig eitelkeitstrotzende Rampensau-Nummer und brüllt in sein Headset: "Ich bin ein Privilegierter! Mein Ekel ist ein Privileg!" So vernichtend komisch dürfte die Selbstgefälligkeit von sich in Weltschmerz aalenden Intellektuellen selten ausgestellt worden sein.
Süddeutsche Zeitung

MIT Dimiter Gotscheff, Alexander Khuon, Valerie Tscheplanowa

REGIE Dimiter Gotscheff
BÜHNE & KOSTÜME Mark Lammert
MUSIK Bert Wrede
LICHT Henning Streck
DRAMATURGIE Bettina Schültke

PRODUKTION Deutsches Theater Berlin

Samstag 5. MÄRZ 2011 um 20.00 Uhr (tickets)
Kulturpass, bienvenue!

DAUER 1 Stunde (keine Pause)

Erwachsene 20 € / Studenten 8 €