#52 KABALE UND LIEBE
GRAND THÉÂTRE | GRANDE SALLE

#52 KABALE UND LIEBE

FRIEDRICH SCHILLER

[DE] Liebe und Zweifel, Intrige und Tod. Mit nur 23 Jahren hat Friedrich Schiller die Tragödie einer absoluten Liebe zwischen zwei jungen Menschen geschrieben, die an der Ignoranz der Väter und an einer rigiden Gesellschaftsordnung scheitert.

Luise Millerin stammt aus einfachsten Verhältnissen. Sie liebt den Sohn des Präsidenten Ferdinand von Walter. Und er liebt sie. Unweigerlich geraten die beiden ins Kreuzfeuer unterschiedlichster Interessen. Da werden Intrigen gesponnen und Briefe erzwungen. Die Liebenden werden unbarmherzig in Zwiespalt, Lüge und Widerstand getrieben. Bis zum Äußersten.

In Kabale und Liebe rechnet Schiller mit seiner eigenen Vätergeneration und deren Gesellschaftsmodell, dem Absolutismus ab.

In der Regie von Stephan Kimmig verkörpert Ulrich Matthes alias Präsident von Walter einfühlsam den hilflosen Repräsentanten eines überkommenen Systems das keine Chance mehr hat, und dennoch seine Opfer fordert.

» Aber was will man ausrichten gegen die Willkür der Macht, ihren kühlköpfigen Zynismus. Keiner könnte das nachhaltiger, spöttischer, ja grandioser verkörpern als Ulrich Matthes. Er ist der Marionettenspieler, der alle Fäden in der Hand hält. Und er spielt seine Überlegenheit aus, wie sie eben nur ein Ulrich Matthes ausspielen kann. Kalt, bohrend und durchsichtig wie ein Eisblock ist sein Blick, steinern sein Herz, machiavellistisch sein ganzes Dasein. Sogar des Präsidenten Schritt sind so ausgeklügelt wie ein perfekt funktionierendes Koordinatensystem. Den Mann kann scheinbar nichts anfechten. Weder das Leben noch das Gefühl, das ihm von anderen schubkarrenweise vor die Seele gekippt wird.
Jürgen Otten, Frankfurter Rundschau

» Kimmig zitiert Verhaltensmuster, die sehr bekannt, sehr heutig sind, Zeugnis geben von möglichem Handeln in einer schlimm entgleisten, aller Würde und Harmonie entkleideten Gesellschaft. Standeskonflikte entdeckt die Inszenierung in den unterschiedlichen Möglichkeiten zur Gestaltung des privaten und öffentlichen Daseins. Aber der Türen- und Kletterkasten (Bühne Katja Haß) sperrt die Oberen und die Unteren in gleicher Weise ein. Die Versuche des Ausbruchs scheitern, das Steigen, Springen und Fallen, das Lauern vor und hinter Öffnungen gibt Protest und Wut und Gier ein Ventil - und ändert nichts. Den richtigen Lebensentwurf gibt es nicht. Aber das Spiegelgerüst kann stürmisch im Kreis gewirbelt wie ein Karussell, berauschendes Glück der Liebe anzeigen. Und als raffiniertes diplomatisches Kalkül diese Liebe zerstört hat, bricht der Kasten auf, verliert seine Festigkeit, die Wände flattern herum, für einen Moment ist Chaos da, von dumpfen Rhythmen durchpulst. Auf diese nahezu ständige Bewegung setzt der Regisseur. Das eisenbewehrte "Gefängnis" bietet keinen Schutz, schafft keine Ruhe.
Christoph Funke, Neues Deutschland

MIT Ulrich Matthes, Ole Lagerpusch, Elias Arens, Lisa Hagmeister, Alexander Khuon, Matthias Neukirch, Claudia Eisinger, Maria Wardzinska

REGIE Stephan Kimmig
BÜHNE Katja Haß
KOSTÜME Andrea Schraad
MUSIK Michael Verhovec
DRAMATURGIE Juliane Koepp

PRODUKTION Deutsches Theater Berlin

Dienstag 1. MÄRZ 2011 um 20.00 Uhr (tickets)
Kulturpass, bienvenue!

DAUER 2 Stunden 30 Minuten (keine Pause)

Erwachsene 25 €, 20 €, 15 € / Studenten 8 €




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