Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

#34 ≈ [UNGEFÄHR GLEICH]

JONAS HASSEN KHEMIRI
In Deutsch

[DE] Der homo oeconomicus ist in der Wirtschaftswissenschaft idealisiert definiert als ein rationaler Agent, der vor dem Hintergrund seiner individuellen Präferenzen Entscheidungen trifft, die ihm den maximalen persönlichen Nutzen versprechen.

Wie aber handeln reale Personen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Ordnungen und Systeme? Welche Präferenzen entwickeln sie, welchen Wert messen sie welchem Nutzen bei – und sind sie überhaupt in der Lage, rein rational zu entscheiden?

Der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri, 2015 für seinen jüngsten Roman Alles, woran ich mich erinnere mit dem renommierten August-Preis ausgezeichnet, geht solchen Fragen nach, in dem er in „≈“ (gelesen: „ungefähr gleich”) verschiedene Schicksale von Menschen, die ihren Platz in der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung suchen, finden oder verlieren, die reich und berühmt werden wollen, die von einem Bio-Bauernhof träumen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder die auf eine Festanstellung hoffen.

Einerseits ist klar, dass wirtschaftlicher Nutzen sich nicht nur auf materielle Güter bezieht, andererseits ist manches durchaus schwierig in einen ökonomischen Rahmen einzubetten. Welchen Wert haben Träume, Zeit oder ein Menschenleben? Näher als ≈ [ungefähr gleich] wird man sich dem nicht annähern können. Und so ganz nebenbei kommt in der Produktion der Théâtres de la Ville de Luxembourg auch ein Schuss Selbstreferentialität ins Spiel: Wie berechnet man eigentlich den Wert eines Theaterabends?

Regisseur Stefan Maurer ist dem Luxemburger Publikum wohl vertraut. Zuletzt inszenierte er Heinrich von Kleists Penthesilea am TNL und Roland Schimmelpfennigs Goldener Drache am Kasemattentheater. Er zeichnet hier seine erste Inszenierung für die Théâtres de la Ville.

» Hier kommt alles zusammen, was einen großen Theaterabend ausmacht. Ein Regisseur, der weiß, was er tut, Schauspieler, die ihre Figuren bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet haben, und ein Text, der ganze Welten entstehen lässt. Die Inszenierung berührt, ohne rührselig zu sein, und sie schafft ein schonungsloses Sittengemälde der Gegenwart. Luxemburger Wort, Katrin Schug

» Das Wechselspiel zwischen realen Menschen und Gedankenwelten, schnelle Szenensprünge und Tempo- wie Stimmungswechsel zeichen diese außerordentliche Inszenierung aus. Das Stück lebt von seinen Darstellern, deren Leistung man ausdrücklich loben muss. De Journal, Simone Molitor

» Mit gut gesetzten Brüchen und Tempowechseln führt [Stefan Maurer] die Zuschauer in die verschiedenen Etagen eines Gebäudes irgendwo in Europa. [...] Die Schauspieler sind alle überzeugend und ziehen bei den raschen Wechseln konsequent mit. Absolut großartig ist Catherine Janke, die neben anderen Figuren, dem Mann im gestreiften Hemd etwa, vor allem den kleinen Chinesen spielt. Durch ihre präzise Darstellung und ihre unaufgeregte Stimme gibt sie der Figur eine große Emotionalität. [...] Da ist wohl gerade ein großer Theaterabend zu Ende gegangen. Tageblatt zu Der goldene Drache, Janina Strötgen 

[DIS]

Mit
Konstantin Bühler, Petra Förster, Sebastian Herrmann, Catherine Janke, Nora Koenig, Raoul Schlechter

Regie Stefan Maurer
Ausstattung Hanna Rode
Regieassistenz Tom Dockal
Musikalische Beratung Leonard Horres
Maske Joël Seiller

Produktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg

Mardi 27 SEPTEMBRE 2016 à 20h00 (tickets)
Mercredi 28 SEPTEMBRE 2016 à 20h00 (tickets)
Mardi 4 OCTOBRE 2016 à 20h00 (tickets)
Mercredi 5 OCTOBRE 2016 à 20h00 (tickets)

DURÉE 2h10 & entracte

Einführung zum Stück von Herrn Tom Dockal am 27. & 28. September und Frau Simone Beck am 4. & 5. Oktober eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

Adultes 20 €, 15 €, 8 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Théâtre des Capucins

[TICKETS]2016-09-27 20:00:00 21617+2016-09-28 20:00:00 21618+2016-10-04 20:00:00 21619+2016-10-05 20:00:00 21620