#50 DER BESUCH DER ALTEN DAME

VON FRIEDRICH DÜRRENMATT
IN EINER FASSUNG VON BASTIAN KRAFT
In Deutsch

[DE] „Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell.“ Claire Zachanassian

Claire Zachanassian kehrt als mächtige Frau von Welt in ihr Heimatdorf Güllen zurück. Vor Jahrzehnten musste sie aus dem Dorf fliehen, weil sie ein uneheliches Kind von Alfred Ill erwartete. Dieser leugnete die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Claire gegen ihn initiierten Prozess. Nun will sich Claire, inzwischen amerikanische Milliardärin, an ihm und den Dorfbewohnern rächen. Aus der Ferne hat sie alle Firmen in Güllen aufgekauft und pleite gehen lassen. Den Bewohnern der Stadt bietet sie eine Milliarde, wenn man ihr Ill opfert. Zunächst empört und dann doch verzaubert vom nahenden Reichtum, verfallen die Güllener in einen Kaufrausch und erwarten von Ill, dass er für das Gemeinwohl freiwillig aus dem Leben scheidet.

Mit dem Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt, uraufgeführt 1956 in Zürich, bringt der junge Theaterregisseur Bastian Kraft, Jahrgang 1980, einen absoluten Klassiker der deutschsprachigen Dramenliteratur auf die Bühne. Seine Inszenierung ist eine popkulturell-trashig aufgeladene Mischung aus Stummfilm und Revue. Sie ist eigenwillig, ohne jedoch „gegen“ das Stück zu arbeiten. Vier Schauspielerinnen und ein Schauspieler teilen sich bei ihm die Titelrolle der Claire Zachanassian, alle fünf kostümiert à la Lady Gaga. Die Songs der Pop-Diva fließen live gesungen, arrangiert und am Piano begleitet von Thies Mynther, in die Inszenierung ein.

Bastian Kraft interessiert an Friedrich Dürrenmatts bösartigem Gedankenspiel die Frage, wie wir mit den Wunden umgehen, die uns zugefügt wurden und welche Komplizenschaft private Selbstjustiz mit der sozialen Dominanz des Kapitals eingeht. Der Schwerpunkt seines Interesses liegt auf den beiden Hauptfiguren Claire Zachanassian und Alfred Ill. Mit ihnen verbindet der Zuschauer eine „doppelte und jeweils zwiespältige Identifikation“, formulierte es Kraft im Konzeptionsgespräch zu Beginn der Proben am Deutschen Theater Berlin.

Die Rolle von Alfred III übernimmt Ulrich Matthes, bekannt nicht nur als Theater- sondern auch als Filmschauspieler. Für seine Rolle im Tatort Im Schmerz geboren wurde er Anfang 2015 mit dem Grimme-Preis sowie als „Bester Schauspieler National“ mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnet.

» Der Abend ist stark, (…). Angereichert mit verblüffend passenden Songs der Pop-Ikone Lady Gaga schafft die Inszenierung den Brückenschlag zwischen der Geschichte einer persönlichen Kränkung und der politischen Tragödie. Luxemburger Wort

» Dem Regisseur gelingt es, die einzelnen Szenen des Stücks fließend zu erzählen, selbst wenn die Darstellerin der Claire oft wechselt oder gar von einem Mann gespielt wird. Es baut sich zwischen all dieser bitterbösen Ironie und Songs eine gewisse Spannung auf. Lëtzebuerger Journal

» Bastian Kraft gestaltet eine schrille, groteske, expressionistische Pop-Art-Ausgabe des Besuch der Alten Dame, die vom Bühnenbild, vom Gastkonzert lebt. Lëtzebuerger Land

» Es ist ein sehr runder Abend geworden, der die Groteske ernst nimmt und die Grausamkeit, die ihr innewohnt, leicht. Den ganzen Abend durchwebt Kraft mit Songs der Pop-Diva (Lady Gaga), die so wie Thies Mynther sie neu arrangiert hat, eine erstaunliche Seelenbrüchigkeit offenbaren und der alten Dame außerordentlich gut stehen. Was auch daran liegt, dass Kraft das immer gültige Thema des Liebesverrats ins Zentrum rückt und anders als Regisseure vor ihm darauf verzichtet, die Moritat von der (finanziellen) Verführbarkeit des Menschen mit einem politischen Überbau zu beschweren. Offenkundig ist der gesellschaftliche Abgrund natürlich trotzdem. Berliner Morgenpost

» „Nicht die Kunst verändert die Welt, die Welt verändert die Kunst“, hat Dürrenmatt gesagt. Das glaubt ihm diese Inszenierung aufs Wort. Denn dass es Künstler wie Lady Gaga und Inszenierungen mit Gaga-Anleihen gibt, soll auf eine Welt weisen, die keine sicheren Häfen mehr kennt. Weder in Kunst-, noch in Moral- und Geldfragen sind feste Urteils- und Handlungsrichtlinien auszumachen. Bastian Kraft will, dass wir auch dies als Provokation erfahren. Berliner Zeitung

[DIS]

Premiere am 17. April 2014, Deutsches Theater Berlin

Es spielen Claire Zachanassian Margit Bendokat
Claire Zachanassian Katharina Matz
Claire Zachanassian Olivia Gräser
Claire Zachanassian Helmut Mooshammer
Claire Zachanassian Barbara Schnitzler
Alfred III Ulrich Matthes
Roby Alexander Rohde
Toby Marof Yaghoubi
Live-Musik Thies Mynther

Regie Bastian Kraft
Bühne Simeon Meier
Kostüme Dagmar Bald
Bühnenmusik / Arrangements Thies Mynther
Piano Thies Mynther Video Jonas Link
Dramaturgie Ulrich Beck, John von Düffel

Produktion Deutsches Theater Berlin
Unterstützt von der Charlotte Kerr Dürrenmatt-Stiftung

Vendredi 11 MARS 2016 à 20h00 (tickets)
 Samedi 12 MARS 2016 à 20h00 (tickets)

DURÉE 1h30 (pas d’entracte)

Adultes 25 €, 20 €, 15 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Grand Théâtre / Grande salle réduite

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

 

[TICKETS]2016-03-11 20:00:00 19796+2016-03-11 20:00:00 19797