#49 GAUNERSTÜCK

VON DEA LOHER
In Deutsch

[DE] „Meine Zukunft ist jetzt oder sie ist gar nicht –“

Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie ihre ungewöhnlichen Namen verdanken, verlässt ihre Mutter sehr früh. Sie wird Alkoholikerin im freien sozialen Fall. Irgendwann verlassen auch die Kinder ihre Mutter, fest entschlossen, die Chance, die sie nicht haben, zu nutzen und sich ihren Teil vom Leben zu ergattern – zu ergaunern, wenn es sein muss. Wand an Wand zwischen der transsexuellen Wahrsagerin Madame Bonafide und einem geräuschvollen Sex-Filmer namens Porno-Otto träumen die beiden von dem großen Coup – doch Maria und Jesus Maria brauchen mehr als das. Sie brauchen ein Wunder, Herrn Wunder, einen mysteriösen Juwelier, der überraschende Pläne hat …

Dea Loher, eine der maßgeblichen Dramatikerinnen ihrer Generation, hat mit ihrem neuesten Text ein überraschendes Stück vorgelegt, das wie eine Milieuerzählung beginnt, das Genre der Kriminalgeschichte streift, um dann in den Wunderräumen und Zufallsketten des Lebens die Frage nach dem Schicksal neu zu stellen. Ein Gaunerstück auch insofern, als dass Loher herkömmliche Dramaturgien auflöst und ihren Figuren, deren Träumen und Abgründen eine weitere Dimension eröffnet.

Dea Loher gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten Theaterautoren Deutschlands. Ihre Stücke sind in 15 Sprachen übersetzt worden. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem 2006 den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg und zweimal den Mülheimer Dramatikerpreis. Im Grand Théâtre war bereits ihr Drama Blaubart – Hoffnung der Frauen zu sehen.

Seit 1995 verbindet Dea Loher eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Kriegenburg, der in der Folge zahlreiche ihrer Stücke in Deutschland urinszenierte. In den Niederlanden dagegen gilt Regisseurin Alize Zandwijk als Loher-Expertin. Kennengelernt hatten die beiden sich am Thalia Theater Hamburg, heute ist Zandwijk künstlerische Leiterin des Ro Theaters in Rotterdam. Ihr erklärtes Ziel ist ein nicht-elitäres, engagiertes Theater. Gaunerstück ist ihre zweite Regiearbeit am Deutschen Theater Berlin.

» Dea Loher hat mit ihrem Gaunerstück eine wunderschöne Milieubeschreibung des neuen Prekaritas und seiner Hoffnungslosigkeit geschrieben, (…). Ein Stück, das die niederländische Regisseurin Alize Zandwijk poetisch überhöht, mit Choreographien aus Street-Dance und Pina-Bausch-Zitaten, Beppe Costa als wunderbar schrägen Porno-Otto mit Gitarre und Mikrofon, Elias Arens als schlaksige Madame Bonafide und besonders Fania Sorel und Hans Löw als verzweifelt verträumte Zwillinge. Lëtzebuerger Land

» Ich finde an den niederländischen Spielern ihre körperliche Präsenz so faszinierend, sie wirken auf mich oft wie den Gemälden von Jenny Saville oder Lucian Freud entsprungen, und so spielen sie auch, fleischliches Theater, kein Psychologentheater, das Drama kommt aus den Eingeweiden, aus den Knochen und nicht aus dem Kopf. Dea Loher im Interview mit dem Dramaturgen John von Düffel im DT Magazin „Theater der Autoren“

» Dea Loher erzählt in den Kammerspielen des Deutschen Theaters mit ihrem Gaunerstück in etwa „Deutschland, ein Prekariatsmärchen“. Die holländische Regisseurin Alize Zandwijk hat daraus bei der Uraufführung ein knapp zweistündiges, bewegtes Stück Theaterglück mit zauberhaften Momenten gemacht. (...) Immer wieder gelingen Zandwijk, wenn es um Sehnsüchte und die Schicksalsschleuder geht, überwirkliche Momente, in denen die Schauspieler abheben dürfen. Das ergibt ein zauberhaftes, trauriges, tiefes und wirklich komisches Gaunerstück. Die Welt

[DIS]

Uraufführung am 15. Januar 2015, Kammerspiele des Deutschen Theaters

Es spielen
Maria
Judith Hofmann
Maria Fania Sorel
Jesus Maria Hans Löw
Jesus Maria, Tänzer Miquel de Jong
Live-Musik / Porno Otto Beppe Costa
Mme Bonafide / Hr. Wunder Elias Arens

Regie Alize Zandwijk
Bühne & Kostüme Thomas Rupert
Musik Beppe Costa
Choreographie Miquel de Jong
Dramaturgie John von Düffel

Koproduktion Deutsches Theater Berlin, Ro Theater Rotterdam

Die Entstehung des Textes wurde ermöglicht durch einen Werkauftrag für die Frankfurter Positionen 2015 – eine Initiative der BHF-Bank-Stiftung.

Mardi 8 MARS 2016 à 20h00 (tickets)
 Mercredi 9 MARS 2016 à 20h00 (tickets)

DURÉE 1h50 (pas d’entracte)

Adultes 20 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Grand Théâtre / Arrière-Scène

Einführung zum Stück von Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

[TICKETS]2016-03-08 20:00:00 19794+2016-03-09 20:00:00 19795