#46 OPHELIA

NACH SHAKESPEARE
In Deutsch

[DE] „To be, or not to be?“ – „Sein oder Nichtsein?“ Wer kennt diesen Ausspruch Hamlets nicht? Er ist der Auftakt zu einem langen Monolog, in dem der Prinz von Dänemark in Shakespeares berühmter Tragödie der „reizenden Ophelia“ sein Herz ausschüttet. Und auf den Ophelia schlicht antwortet: „Mein Prinz, wie geht es Euch seit so vielen Tagen?“

Aber was denkt sie wirklich? Was empfindet sie, als Hamlet ihr in einem Brief seine Liebe gesteht: „Zweifle an der Sonne Klarheit, / Zweifle an der Sterne Licht, / Zweifle, ob lügen kann die Wahrheit, / Nur an meiner Liebe nicht!“ Und den sie, ganz brave Tochter, an ihren Vater weiterreicht. Und was geht in ihrem Kopf und in ihrem Herzen vor, als Hamlet schließlich offenbart: „Ich liebte Euch nicht.“ Und ihr zuruft: „Wenn du heiratest, so gebe ich dir diesen Fluch zur Aussteuer: Sei so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du wirst der Verleumdung nicht entgehn. Geh in ein Kloster, leb wohl!“

Ophelia, die reizende Tochter des Polonius, die Schwester von Laertes, die Freundin von Hamlet, sie spielt die tragische Rolle in Shakespeares Drama, die einen sagen mit schwingenden Hüften, andere meinen von prinzenhaftem Liebesgetändel umrauscht. Ophelia, die ins Wasser geht, weil Männer ihre Welt dominierten, die zu viel von ihr wollten oder zu wenig. Schweigend stand sie oft am Rand und dachte sich ihren Teil der Geschichte. Jetzt spricht sie zurück.

Der Belgier Kristof Van Boven, der im Grand Théâtre bereits mehrfach als Schauspieler zu sehen war, erzählt in seiner Inszenierung die Geschichte des Prinzen Hamlet aus der Sicht von Ophelia. Zwischen Nachtglockenschlag und Hahneskrähen verfolgt sie Hamlets Weg in den Wahnsinn, der auch sie nicht verschont. Ihre Rolle übernimmt die Luxemburger Schauspielerin Marie Jung, die das Theaterpublikum im Großherzogtum

unter anderem aus dem Weihnachtskultstück Messias von Patrick Barlow kennt, in dem sie seit 2011 mit von der Partie ist. Auch in diesem Jahr wird sie im Dezember an der Seite ihres Vaters André Jung in der Satire auf der Bühne des Kapuzinertheaters stehen.

» Faszinierend, wie Marie Jung diese Figur in einer rätselhaften Schwebe hält, so dass sie bei all ihrer präsenten Körperlichkeit tatsächlich etwas Überirdisches bekommt: Ihre Ophelia ist halb Hascherl, halb Heilige, ein lammfrommes Opfer und eine Erleuchtete zugleich, eine beiläufig-unprätentiöse Märtyrerin, die ganz in sich ruht, obwohl sie von allen Seiten manipuliert wird. Wie sie immer wieder unschuldig ins Publikum lächelt, zögert, spricht, die Brille putzt, Blockflöte spielt, wie sie sittsam dasteht und schweigt, ein bisschen stolz und ein bisschen verlegen, scheint fast ein inneres Strahlen von ihr auszugehen. Bayerische Staatszeitung

» Marie Jung trägt das mal manieriert, sehr häufig jedoch mit großer Distanz vor. Dabei gelingen ihr und Regisseur Van Boven ein, zwei berührende Szenen – etwa als Ophelia wie nebenbei Suizidmöglichkeiten durchgeht: Da spielt Jung gedankenverloren mit dem Wasser in der Wanne, da zieht sie sich den Seidenschal zu eng um den Hals, da fällt das Radio in die Badewanne und löst einen Kurzschluss aus. Münchner Merkur

[DIS]

Mit
Marie Jung

Regie Kristof Van Boven
Bühne & Kostüme Sina Barbra Gentsch
Licht Jürgen Kolb
Dramaturgie Matthias Günther

Produktion Münchner Kammerspiele

Jeudi 18 FÉVRIER 2016 à 20h00 (tickets)
 Vendredi 19 FÉVRIER 2016 à 20h00 (tickets)

DURÉE 1h00 (pas d’entracte)

Adultes 20 €, 15 €, 8 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Théâtre des Capucins

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

[TICKETS]2016-02-18 20:00:00 19782+2016-02-19 20:00:00 19783