#44 KARAMASOW

FJODOR DOSTOJEWSKI
ÜBERSETZT VON SWETLANA GEIER
In Deutsch

Karamasow hat den Friedrich Luft Preis für „die beste Berliner oder Potsdamer Theateraufführung im Jahr 2014“ erhalten.

[DE] Erst Tschechow, jetzt Dostojewski: Nachdem sich Thorsten Lensing gemeinsam mit seinem Regiepartner Jan Hein mit Onkel Wanja und dem Kirschgarten auseinandergesetzt hat – beide Inszenierungen gastierten im Grand Théâtre – widmet er sich nun einem weiteren Klassiker der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts und bringt Fjodor Dostojewskis letzten Roman Die Brüder Karamasow auf die Bühne.

Es ist ein Buch über drei Brüder und ihren Vater, über Kinder und Tiere, die Liebe und einen Mord. Und über den Gottesglauben in einer Welt, der Glaubensfragen gleichzeitig fremd und unheimlich nahe sind. In Lensings Inszenierung steht nicht der Mord im Mittelpunkt. Die Kinder und Tiere spielen eine Hauptrolle, und der Glaube. Von den Brüdern tritt an diesem Abend einzig Aljoscha auf, weil vor allem er es ist, der mit dem Glauben und der Gottesfrage ringt.

Dostojewskis tausendseitiger Roman ist so wenig beherrschbar wie es das Leben ist. Alle Figuren werden in Situationen und Beziehungen verwickelt, treffen auf Fragen und Konflikte, denen sie nicht gewachsen sind. Sie brechen plötzlich über sie herein und machen sie erst zu dem, was sie sind: Verstrickte, Bedürftige, Überraschte.

Anders als bei den Tschechow-Abenden führt Lensing dieses Mal allein Regie. Auf Schauspielerseite setzt er auf ein bewährtes Team. Erneut sind die Stars Devid Striesow, der Aljoscha spielt, und Ursina Lardi dabei, auch der flämische Schauspieler Rik van Uffelen gehörte bereits bei den Tschechow-Abenden zum Ensemble und Horst Mendroch hat beim Kirschgarten die Gouvernante Charlotta Iwanowna gegeben. Ergänzt wird die eingespielte Truppe vom Schauspieler Sebastian Blomberg sowie von Ernst Stötzner, bekannt auch aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen. Neu im Team ist zudem der Luxemburger Schauspieler André Jung, der eine ziemlich außergewöhnliche Rolle hat. Er ist ein Hund. Und auf dem Internetportal Nachtkritik heißt es: „Man muss gesehen haben, wie André Jung auf den Hund kommt. Man muss gesehen haben, wie er leicht vornübergebeugt auf Sebastian Blombergs Schulter sabbert und sich das Ohr kraulen lässt, wie er winselt, trieft, die Augen in Zeitlupe zukneift, Reisig apportiert, den Kopf in die Schneemaschine hält wie in den Fahrtwind, kurz: die ganze Palette des devoten bis dämlichen Treucharakters eines Haustiers abspielt.“

» (Die Schauspieler) spielen gar nicht den gesamten Roman, und doch entsteht der Eindruck eines kompletten Ganzen: vier Stunden begeisterndes Theater. Großes Ensemblespiel, in dem die individuellen Persönlichkeiten durchaus auch als Solisten brillieren. NZZ

» Das Theater von Thorsten Lensing ist von großer Direktheit und Einfachheit. Es dringt zum Wesen des Spiels selbst und zum Wesen der Figuren vor, denen Dostojewski für seinen Roman Die Brüder Karamasow Leben einhauchte. Den Schauspielern sei Dank. (...) Es ist ein pures Spiel mit offenen Karten. Ein Machen ohne Vormachen. Ein bewusster, kontrollierter Gang durch gegebene Situationen, wobei keiner schon vorher genau zu wissen scheint, wo er mit dem nächsten Schritt landet. Der Abend dauert knapp vier Stunden und ist von einer Intensität, die man als Zuschauer mitträgt ... Berliner Zeitung

» Auch diesmal hat Thorsten Lensing, der etwa alle drei Jahre eine Premiere herausbringt und sich so dem Dauerproduktionszwang des Betriebes entzieht, großartige Schauspieler für sein Projekt in der freien Szene gewonnen. Und vor allem hat er sie großartig besetzt. Nicht nach kleinlichen Kriterien wie Alter, Aussehen oder Geschlecht. Sondern nach ihrer spielerischen Kraft. André Jung zum Beispiel spielt einen Hund. Und er tut es mit soviel Würde, dass es einem fast das Herz bricht. Das ist nicht nur virtuos gespielt, es zeigt auch den Kern von Theater in all seinem Wahnsinn. Süddeutsche Zeitung

» Es ist ein immenses Vergnügen diesem Spiel zuzuschauen, in dem es keine Trennung gibt von Scherz und Ernst. Es ist eigentlich eine wunderbare, dunkle, tiefe Komödie, die zeigt, dass in Dostojewski nicht nur der schwere, mystische oder krisengeschüttelte Denker steckt, sondern auch ein Humorist, fast ein Gogol. Und das so zu spielen, so leicht und souverän und so uneitel, manchmal feixend, das ist ein Geschenk. WDR 3 in der Sendung Mosaik

» Lensing schafft es mit seinem brillanten Ensemble, diese Meisterschaft des russischen Großdichters auf der Bühne zu komprimieren und einen Abend zu kreieren, der zugleich urkomisch und tieftraurig geraten ist – und mit vier Stunden keine Minute zu lang. Neues Deutschland

[DIS]

Es spielen
Sebastian Blomberg
André Jung
Ursina Lardi
Devid Striesow
Ernst Stötzner 
Lars Rudolph 
Rik van Uffelen

Regie Thorsten Lensing
Textfassung Thorsten Lensing
unter Mitarbeit von Dirk Pilz
Bühne Johannes Schütz
Kostüme Anette Guther
Produktionsleitung Eva-Karen Tittmann
Technische Leitung Eugen Böhmer
Regieassistenz Benjamin Egers, Lucie Grünbeck
Kostümassistenz Nele Ellegiers
Bühnenassistenz, Requisite Sugiura Mitsuru

Fotos Arwed Messmer
Kostümassistenz Gastpiele Irina Balzer

Eine Produktion von Thorsten Lensing
in Koproduktion mit Sophiensaele Berlin, Kampnagel Hamburg, Theater im Pumpenhaus Münster, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Schauspiel Stuttgart, HELLERAU Europäisches Zentrum der Künste Dresden und TAK Theater Liechtenstein
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster

Aufführungsrechte beim S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

Jeudi 4 FÉVRIER 2016 à 19h00 (tickets)
 Vendredi 5 FÉVRIER 2016 à 19h00 (tickets)

DURÉE 3h50 & entracte

Adultes 20 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Grand Théâtre / Arrière-Scène

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

 

[TICKETS]2016-02-04 19:00:00 19778+2016-02-05 19:00:00 19779