#34 FRONT

POLYPHONIE NACH „IM WESTEN NICHTS NEUES” VON ERICH MARIA REMARQUE,
„LE FEU” VON HENRI BARBUSSE UND ZEITDOKUMENTEN
BUCH VON CHRISTINA BELLINGEN, STEVEN HEENE UND LUK PERCEVAL
In Deutsch, Französisch, Englisch & Niederländisch, mit deutscher Übertitelung

[DE] „Ich glaube, der Krieg ist eine Art Fieber. Keiner will es eigentlich, und mit einem Male ist es da. Wir haben den Krieg nicht gewollt, die andern behaupten dasselbe – und trotzdem ist die halbe Welt fest dabei.“ So erklärt sich ein junger Soldat in Erich Maria Remarques Roman Im Westen nichts Neues den Weltkrieg, der 17 Millionen Menschenleben fordern sollte.

Figuren aus Remarques Roman, aus dem 1916 erschienenen Kriegstagebuch Le Feu des Franzosen Henri Barbusse und Charaktere weiterer literarischer und historischer Quellen begegnen sich in der Weltkriegsinszenierung Front des in Hamburg lebenden flämischen Regisseurs Luk Perceval. Ein deutsches und ein belgisches Ensemble, französisch- und englischsprachige Gastdarsteller, Fotoprojektionen und eine Klanginstallation – aus diesen Elementen setzt sich die Koproduktion des Thalia Theaters Hamburg mit dem NTGent in Belgien zusammen, die Die Welt als „Deutschlands wichtigsten theatralen Beitrag zum Weltkriegsgedenken“ bezeichnet.

Es sind die Frontschweine, einfache Soldaten, die in Percevals Stück über den „Grooten Oorlog“ im kleinen Belgien, wie der Erste Weltkrieg auf Flämisch heißt, zu Wort kommen. Franzosen, Engländer, Belgier und Deutsche liegen sich, kaum 100 Meter voneinander entfernt, in Schützengraben gegenüber, schießen aufeinander, graben sich ein und werden von Ratten, Läusen, Feuchtigkeit und Hunger geplagt. Auf deutscher Seite kämpfen Paul Bäumer (Bernd Grawert) und seine Klassenkameraden, die direkt von der Schulbank an die Westfront gezogen sind. Haupt ihrer Truppe ist der erfahrene Landwehrmann Stanislaus Katczinsky. Auf Seiten der Alliierten begegnen wir unter anderem dem 18-jährigen Flamen Emiel Seghers, der sich freiwillig gemeldet hat. Er wird von Oscar Van Rompay gespielt, der im Herbst 2014 im Kapuzinertheater den Monolog Africa sprach.

Perceval nennt sein Stück eine „Polyphonie“. Es sei „eine Summe von Stimmen, Eindrücken und Sprachen, die zusammen einen Schmerz ausdrücken über etwas, das die Menschen überkommt und nicht zu erklären ist“, sagt er in einem Interview vom März 2014. Und fügt hinzu: „Ab einem bestimmten Punkt geht die Kriegslogik los und es gelten keine Argumente mehr. Deswegen haben wir auch alle so Angst vor dem, was gerade in der Ukraine passiert.“

» Zwei intensive, zuweilen körperlich schmerzliche Stunden lang, ist das Publikum buchstäblich in seinem eigenen dunklen „Schützengraben“ gefangen und dem Bühnengeschehen ausgeliefert, genauso, wie es damals die Soldaten waren, nicht wissend, was als Nächstes über sie hereinbricht. Percevals Meistergriff ist dabei zweifelsohne, unsichtbar zu bleiben und alle Elemente auf der Bühne so zusammenzuführen, dass sich letztlich nicht die formale Komplexität des Gefüges offenbart, sondern mit einleuchtender Klarheit einzigartige Augenblicke des Lebens aufflackern zu lassen – im Licht von Mark Van Denesse passend fragil in Kerzenschein umgesetzt. Luxemburger Wort

» Der Abend ist ein Erlebnis aus Stimmen und Klängen, kein Handlungsablauf definiert ihn. Und trotzdem fühlt man sich mitgenommen ins Kriegsgeschehen, in allgemein menschliche Leiden. (...) Nüchtern und klar begegnet die Inszenierung den bewegenden Zeitzeugnissen. Merkwürdig, wie so ein düsterer, unheimlicher Abend zur Erhellung beitragen kann. Hamburger Abendblatt

» Elf Schauspieler aus vier verschiedenen Sprach- und Kulturräumen – neun Männer, zwei Frauen – machen daraus eine Kriegsberichterstattung der düstersprachmusikalischen Art, eine nachtschwarze, lautstarke Totenmesse. Es ist eine Klanginstallation, die den Krieg beklemmend, berührend, mitunter auch bombastisch beschwört: in Stimmgewittern. Süddeutsche Zeitung

[DIS]

Mit
Steven Van Watermeulen
Oscar Van Rompay
Peter Seynaeve
Katelijne Verbeke
Burghart Klaussner
Benjamin-Lew Klon
Bernd Grawert
Steffen Siegmund
Patrick Bartsch
Oana Solomon
Gilles Welinski

Regie Luk Perceval
Bühne Annette Kurz
Video Philip Bussmann
Kostüme Ilse Vandenbussche
Musik Ferdinand Försch
Licht Mark Van Denesse

Koproduktion NTGent, Thalia Theater Hamburg 

Jeudi 22 OCTOBRE 2015 à 20h00 (tickets)
Vendredi 23 OCTOBRE 2015 à 20h00 (tickets)

DURÉE 2h00 (pas d’entracte)

Adultes 25 €, 20 €, 15 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Grand Théâtre / Grande salle réduite

Einführung zum Stück von
Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

[TICKETS]2015-10-22 20:00:00 19716+2015-10-23 20:00:00 19717