Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

#48 DIE LIEBENDE ersetzt durch: SPIEL OHNE BALL

ALBERT OSTERMAIER
In Deutsch 

[DE] Nie wieder Ersatzbank, schwört sich Uwe und überfällt eine Luxemburger Bank, nimmt eine Angestellte als Geisel, nimmt sie in den Schwitzkasten seines gescheiterten Lebens, zieht sie in seinen Strafraum. Denn ihm, dem Fußballer, dem Manndecker, der alle Räume zustellte, haben sich alle Räume verschlossen. Er ist eingeschlossen in seine Ausweglosigkeit, steht in der Tiefe des Raums im Abseits der Gesellschaft. Er wurde vom Platz auf die Ersatzbank abgeschoben und jetzt kennt das Schicksal nur Strafstöße gegen ihn. Schon ist er im Fadenkreuz des finalen Rettungsschusses, nichts läuft mehr rund, aber er mag dieses letzte entscheidende Spiel ohne Ball nicht verloren geben, es nicht noch einmal verlieren. Das einzige was ihm blieb, ist seine Geschichte und die verteidigt er wie sein Leben bis auf Blut, mit Haut und Haar und Herz.

Er hätte all das gewinnen können, wovon jedes Kind träumt, wenn es das erste Mal gegen die Kugel tritt. Die Kugel hat Uwe getroffen. Nicht Geld, Frauen, Ruhm, sondern Abstieg, Sucht, Verletzung und Kriminalität sind der Lohn seines Spiels. Aber da er nichts mehr zu verlieren hat, spricht er frei von der Leber, und sein Pressing ist im Jahr der WM so hart und kompromisslos, wie sein Spiel war. Denn er will mehr als sich selbst auch den Fußball retten von dem, was ihm dazu trieb, seine Seele zu verkaufen. Gerade dort, wo der Mensch doch ganz Spiel sein sollte und bei sich.

Und wer könnte dieses Herzschlagfinale glaubhafter, überzeugender und verstörender verkörpern und spielen als Jimmy Hartwig, der ehemalige Profi, Europapokalgewinner und Nationalspieler, der nach seiner Karriere fast alles verlor, aber nachdem er auf dem Boden gelegen hatte, nicht nur die Krankheit besiegte, sondern eindrucksvoll zurück ins Leben und ins Spiel fand. Und sogar, was niemand erwartete, auf die Bühne fand, wo er jetzt Uwe ist und auf den Brettern steht, die ihm nun wie einst der Rasen die Welt bedeuten.

Albert Ostermaier

» Das Publikum durfte sich über einen feinen Theaterabend mit einem packenden Monolog und einem überzeugenden Hauptdarsteller freuen. Tageblatt

[FR] » [Jimmy Hartwig] porte son monologue, tout en retenue, mais avec force naturelle. [...] Sylvia Camarda qui ne dit pas un seul mot, incarne parfaitement cette petite nanna, remplie de toutes sortes de préjugés, et qui se laisse étouffer par ceux-ci, qui défaille, mais qui dans l’écoute, peu à peu se réveille à la réalité d’un homme, à son désespoir de vie gâchée. Lëtzebuerger Land

manndecker
für jimmy hartwig

ich trat auf dein knie jetzt schwoll es an
zu einem ball und ist so rund dass du
damit denken kannst das wollte ich
nicht mit dem feuerzeug aber der rasen
musste brennen diese leidenschaft auf
engstem raum zu verschieben vor und
zurück was stehst du so abseits ohne
meinen atem in deinem nacken du
musst zurück ins spiel finden dein
platz ist bei mir wohin du auch läufst
ich folge dir wie stürmisch du am
anfang warst und wie ausgewechselt
auf einmal du jetzt bist dein glück
nach dem spiel ist vor dem spiel ich
werde wie pech an dir kleben bleiben

im strafraum
für jimmy hartwig

wie blei so schwer sind mein glieder
bin so müde wie schwer sind meine lider
der schmerz im bein kommt immer wieder
hier vom fuss bis ins herz hinauf zieht er
nimms nicht so schwer du bist ein kämpfer
die last auf den schultern drückt mich nieder
auf vor schiess ein tor treiben mich ihre lieder
gestern nacht habe ich getanzt ging hoch her
dealer glückspillen on the top I'll be there
auf vor schiess ein tor torjäger sind sieger
so schwer die beine ich kann nicht mehr
treffe keinen ball ist doch nicht so schwer
dass ich hier beim drippeln dauernd stolper
auf vor schiess ein tor spritz mich doktor
wird nicht besser nehm mich raus trainer
wie blei so so schwer sind meine glieder
bin so müde wie schwer sind meine lider
auf vor schiess ein tor treiben ihre lieder
du bleibst auf dem platz mach ich trainer
on the top I'll be there da foul foul elfmeter
der schmerz im bein hinauf ins herz zieht er
elfmeter vor schiess ein tor kann nur einer
elfmeter vor ein tor schiess ich wie keiner
on the top I'll be there der ball da liegt er
dieser schmerz mein fuss er ist so schwer
der torwart in die falsche ecke fliegt der
der ball er fliegt und fliegt fliegt drüber
warum ist es so still um mich ist da wer
wegen dir verlieren wir scheissmillionär
wir leben hier aber du bist nur ein legionär
der schmerz mein fuss dick wie ein tanker
ist so schwer zieh ihn nach wie nen anker
mach dir nichts vor jetzt bist du ein kranker
auf vor du schiesst dein leben kein tor mehr
ist da kein freund der hilft ist da irgendwer
lasst mich nicht allein alles wird so schwer
kommt da nicht von irgendwo ein licht her
fliessen nicht am ende alle flüsse zum meer
das leben steht wie ein schwerer riese vor mir
ich hab nichts als den stein und die schleuder
der stein liegt gebrochen in meinem bein hier
aber ich gebe nicht auf ich bleibe ein träumer

 

» Albert Ostermaier hat keine Berührungsangst vor dem Pathos und der Ästhetik des Klischees, er schreibt mit lyrischer Inbrunst und Ekstase, aber das unglaublich cool. Süddeutsche Zeitung

» Reizvoll changierend zwischen Archaik und Moderne, mit Anleihen bei Ovid ebenso wie beim Genrekino hat Albert Ostermaier hier ein ›zauberisch Gebild‹ geschaffen, von dem man nicht weiß, was man mehr bewundern soll: Den Mut der Unbefangenheit, mit der hier ein Schriftsteller von heute klassische Erzählsituationen aufgreift und zeitgemäß tapeziert, oder die atmosphärische Dichte, die er dem Balztanz von Zauber und Gegenzauber seiner beiden Figuren abgewinnt. Die Welt

» Johannes Zametzer inszeniert im Kapuzinertheater Albert Ostermaiers Schwarze Sonne scheine mit Luc Feit als Alleindarsteller. Das Trio zaubert großes kleines Theater. D'Lëtzebuerger Land

» Was mich an Luxemburg fasziniert, sind die Luxemburger. Wenn man in dieser Stadt am Flughafen landet und durch künstliche Welten und gebaute Europapolitik gleitet, ist man überrascht, dass man plötzlich im Herzen der Stadt auf Menschen trifft, die nicht nur hintersinnigen Humor haben, bewundernswert entspannt sind, sondern auch so viele Abgründe haben, wie sich Schluchten um und durch die Stadt ziehen. Hier Theater zu machen, ist wie in den Arm genommen zu werden, eine herrliche Ermutigung, das Beste zu geben. Im Gespräch mit Albert Ostermaier, D'Lëtzebuerger Land

[DIS] 

Mit
Jimmy Hartwig
Sylvia Camarda

Regie & Bühne Victor Joe Zametzer

Produktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

Premiere im Januar 2014 in Luxemburg

 

Mercredi 8 JANVIER 2014 à 20h00 (tickets)
Lundi 13 JANVIER 2014 à 20h00 (tickets)

DURÉE environ 1h00 (pas d'entracte)

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Studio

[TICKETS]2014-01-08 20:00:00 15654+2014-01-13 20:00:00 15655